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Jahresbeginn

Heute ist Montag. Der erste Arbeitstag im neuen Jahr. Ich bin erkältet. Am Silvesterabend hat es mich erwischt. Drei Tage lag ich flach, seit heute geht es wieder. Ab morgen werde ich wieder arbeiten gehen.

Heute klingelte ungewohnt oft das Telefon. Jedes Mal war es etwas Gutes, sodass ich - rein der Wahrscheinlichkeit nach - davon ausging, dass es bei nächsten Mal nichts Gutes sein konnte. Im Verdacht war der Schornsteinfeger, den ich im letzten Jahr eigentlich hatte anrufen sollen. Die Alternative wäre unangenehme entfernte Verwandtschaft oder irgendetwas, das ich vergessen hatte.


Es klingelte ein weiteres Mal das Telefon. Ich nahm ab. Es meldete sich eine Arzthelferin. Ich schiebe es mal auf meine abklingende Erkältung, dass ich den Arztnamen erst verzögert zuordnen konnte. Und ich schiebe es auf die Überraschung, dass ich perplex reagierte und chaotisch antwortete.

Die Praxis unseres Reproduktionsmediziners war es. Die Informationen, die mir die Arzthelferin übermittelte,... ich glaube, sie wollte nur hören, ob wir noch im Boot sind. Ich entschuldigte, dass wir uns seit vier Wochen nicht gemeldet haben, damit, dass der Brief vom Genetiker noch nicht angekommen sei.

Das wusste sie. Das irritierte mich. Leicht. Warum ruft sie an? Sie erklärte, dass sie ja gleichzeitig den Brief bekommen würde. Ich suchte nach meinem Fehler. Die Ärzte waren sich doch einig, dass erst der genetische Befund vorliegen müsse, bevor es weiter geht. Und jetzt? Jetzt ruft die Arzthelferin an, weil wir uns nicht gemeldet haben? Ich versuche die richtige Frage zu stellen. Bevor mir das aber gelingt, fragte sie nach dem voraussichtlichen Termin meiner nächsten Periode. - Erwischt. Die Offenbarung, dass wir praktisch unfruchtbar sind und der Beginn des Weges zur künstlichen Befruchtung hatte nicht nur bewirkt, dass ich im Dezember unter keiner Depression leiden musste, sondern auch, dass ich meinen Zyklus nicht mehr so stringent verfolgte. Ich überlegte kurz und schätzte anderthalb Wochen bis Tag 1. Das müsste so stimmen.

Ich fragte, wann denn die Schritte beim Arzt begännen. „Also am Tag 1 der...“ ich hörte nichts mehr. Stille. „Hallo?“ Ein Funkloch! Ich hasse es- mitten in meinem Wohnzimmer ist ein Funkloch! Und ich laufe doch immer umher, wenn ich telefoniere!

Da hörte ich sie wieder: „...dann an Tag 6.“ Hab ich informationen verpasst? Sollte ich es wiederholen lassen? Zu schnell entschied ich mich, es nicht zu tun.

Ich einigte mich noch mit ihr, mich am ersten Tag meiner Periode zu melden und den nächsten Termin zu vereinbaren. Und mit mir einigte ich mich, mir dann alles erklären zu lassen.

Wir legten auf.

Atmen.


Mich hat das Telefonat überraschend aufgeregt. Ich wählte die Nummer meines Mannes. Die größere Überraschung dieses Tages: Er nahm sogar ab! Er hörte sich das Erlebte an und stimmte mir zu, dass innerhalb der nächsten anderthalb Wochen sicher der Brief des Genetikers ankäme. So können wir vor Beginn mithilfe des Befundes entscheiden, ob wir auf dem Weg bleiben. Noch ist ja nicht sicher, ob es unser Weg bleibt. Er sagte noch, dass er heute früher nach Hause komme und sich auf mich freue.

Dann ging ich in das Zimmer, in dem meine Aufzeichnungen zum Zyklus lagern (Ja, „lagern“. Es sind inzwischen drei Heftchen. Für jedes Jahr eins.).

Tatsächlich: Theoretisch könnte es Donnerstag nächste Woche wieder losgehen. Also in anderthalb Wochen.

Dann setzte ich mich auf die Couch und fing grundlos an, heftigst zu heulen.

4.1.16 17:58
 


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