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Sorgen nach 15 Fehlversuchen:

Heute ist Dienstag. Seit vierzehn Tagen rechne ich vorwärts auf diesen Tag. Da war auch Dienstag. Diese vierzehn Tage sind verlässlich. Sie waren es bisher jedes Mal. Und jedes Mal warte ich. Den ganzen Tag. Bis es passiert. Je länger ich warte, desto mehr Gedanken mache ich mir. Naja, die Menge der Gedanken bleibt wohl gleich, aber je länger ich warte, desto mehr versuche ich, mich zu beruhigen. In beide Richtungen.



Du hast es schon oft erlebt. Du weißt, wie es abläuft. Du musst nicht in das alte Muster verfallen. Es gab schon Anzeichen. Du bist Dir sicher, dass es passiert. Bereite dich mental vor! Dich kann es nicht überraschen. Es ist wie letztes Mal. Und das Mal davor. Und davor...

Und wenn es diesmal nicht passiert? Vielleicht passiert es nicht. Der Dienstag ist da und noch ist nichts passiert. Nur weil es bisher verlässlich war, kann sich die Natur auch mal einen Tag Zeit lassen. Oder zwei. Oder eine komplette Ausnahme machen. Du bist erkältet. Du hast die letzten Tage viel Sport gemacht. Wer weiß, welche Wechselwirkung wie wirkt.



Der Dienstag ist noch nicht vorbei. Jedes Zeichen wird gedeutet. Jedes Mal schlage ich mir innerlich in die Fresse. Hör auf! Halts Maul. Du bist keine Frau, die es nötig hat, sich wegen so etwas fertig zu machen! Jedes Mal! Jedes!


Du solltest glücklich sein. Du bist glücklich! Eines Tages wirst du Dich hassen, für jede Sekunde, die Du gezweifelt hast. Jede Sekunde, die du regungslos auf dem Sofa verbracht hast.


Regungslos, machtlos. Weil Du Angst hast, ein Atemzug könne das Schicksal beeinflussen. In dieser Regungslosigkeit zieht die Zeit an Dir vorbei. Du kannst Dich nicht bewegen. Es bleibt alles liegen. Da liegt der Brief ans Amt. Die Wäsche muss gewaschen werden. Du hast noch nichts gegessen. Hunger hast du auch keinen. So viel zu tun. Panik. Du weißt nicht, womit Du anfangen sollst. Du bleibst sitzen. Bewegst dich nicht.


Wenn ich die Luft anhalte – hält dann auch die Zeit an?


Das Herz pocht. Keine Ahnung, ob es am unregelmäßigen Atem liegt. Oder der Panik, weil ich mit der Zeit nichts Gescheites anfange. Vielleicht ist es keine Panik, sondern ein Anzeichen, dass es doch geklappt hat? Mir ist heiß. Ich brauche Luft. Ich kann nicht aufstehen. Auch nicht, um das Fenster zu öffnen.



Du weißt, dass es passiert. Du hast es schon oft erlebt. Du weißt, wie es abläuft. Du musst nicht in das alte Muster verfallen. Es gab schon Anzeichen. Du bist Dir sicher, dass es passiert. Bereite dich mental vor! Dich kann es nicht überraschen. Es ist wie letztes Mal. Und das Mal davor. Und davor...

Und wenn es nicht passiert? Vielleicht passierts nicht. Der Dienstag ist da und noch ist nichts passiert. Nur weil es bisher verlässlich war, kann sich die Natur auch mal einen Tag Zeit lassen. Oder zwei. Oder eine komplette Ausnahme machen.



Stop! Es kann nicht sein, dass ich mir Gedanken mache, ohne dass was passiert.


Wenns passiert, ist es in Ordnung. Ein Mal mehr oder weniger macht den Kohl nicht fett.

Wenns nicht passiert, kann es noch passieren. Und wenn nicht, muss es nichts heißen.


Ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, jeden Moment der nächsten Phase zu genießen. Und irgendwelche Instinkte zu haben und genau zu wissen, wenn es soweit wäre. Ich wusste es schon öfter. Eindeutig. Ich war mir jedes Mal so sicher. Und jedes Mal musste ich mich von dem Hirngespinst verabschieden. Jedes Mal war es wohl doch was anderes. Aber in meinem Kopf war es wer. Es war wer. Jemand. Jemand der wer werden wollte. Und ich musste mich verabschieden. Bescheuert. Jedes Mal lasse ich mich verarschen. Vierzehn Tage lang wird jedes Detail analysiert. Jedes Zeichen wird gedeutet. Lange Zeit für einen Umstand. Momentan dagegen. Ich will es gar nicht mehr vorher wissen können. Es gibt keine Instinkte.

Dann, nach genau vierzehn Tagen, passierts. Erst wird geheult, dann bin ich depressiv. Nach eins/ zwei Tagen wird’s besser. Nach vier/ fünf Tagen lebe ich auf. Motiviert. Will was erleben. Nach sieben Tagen ist alles in Ordnung. Ab Tag Elf folgen die Tests, die mir sagen, wann die vierzehn Tage wieder anfangen.

Einem anderen Zyklus folgt die Überlegung, was ich überhaupt will. Mein Leben kann doch nicht still stehen, nur weil es sich vielleicht irgendwann mal um 90 Grad dreht! Mein Leben ist perfekt. Von außen betrachtet habe ich alles, was ich brauche. Wohlstand, Liebe, Sicherheit, Selbstverwirklichung. Von innen betrachtet habe ich auch alles, was ich brauche. Den besten Mann, den es gibt. Die großartigste Tochter, die es gibt. Das schönste Haus inklusive grandiosestem Garten, den es gibt. Einen sicheren, gutbezahlten und anerkannten Job. Eine verlässliche Familie. Genügend Abwechslung im Alltag. Ich bin glücklich. Vollumfassend glücklich.


Ich hatte immer Ziele, ich hatte immer Pläne. Hatte immer einen nächsten Schritt. Ich wollte noch mal studieren. Neben dem Beruf. Aber der Studiengang für den ich mich vor drei Jahren eingeschrieben habe, ist nicht zustande gekommen. Dann kam die Hochzeit. Und seit dem steht mein Leben still. Dies ist mein nächstes Ziel. Ich kann nicht beeinflussen, wann der Plan aufgeht. Ob der Plan aufgeht. Aber alle anderen Säulen stagnieren. Ich habe meinen Job. Ich bin grad erst befördert worden. Obwohl drumherum groß abgebaut wird. Um noch weiter zukommen, muss ich mich erst mal lange Zeit weiterentwickeln. In weiteren Projekten bestehen. Die Projekte werden kommen, ohne dass ich mich groß dafür einsetzen muss. Auch ein weiteres Studium würde mich im Job, weder was Aufgaben, noch was die Bezahlung angeht, weiter bringen. Ein weiteres Studium zum Spaß? Vielleicht nach dem nächsten Ziel. Egal an welche neue Herausforderung ich denke -sollte es bald klappen, wäre es doof, sie grade angenommen zu haben.



Plötzliche Panik: Mein Bauch zwickt. Ein Zeichen? Dafür? Dagegen? Ich sitze wohl zulange mit zu wenig Atem auf der Couch. Ich habe Durst. Die Wasserflasche steht vor mit auf dem Tisch. Ich muss mich aufrichten, wenn ich sie ergreifen möchte. Ich muss mal. Der Moment der Wahrheit? Ich hasse an solch einem Tag auf Toilette zu gehen. Ich glaube, ich muss an diesen Tagen häufiger hin als sonst. Mir graust es vor dem Moment, wenn ich das Papier sehe. Ich weiß, ist es rot, so beginnts von vorne. Ist es nicht rot, ist diese Runde wohl noch nicht zu Ende.



Aber es wird passieren. Ich weiß, wie es abläuft. Ich werde in das alte Muster verfallen. Obwohl es schon Anzeichen gab. Und obwohl ich mir sicher, bin, dass es passiert. Obwohl ich mental darauf vorbereitet sein sollte. Es wird mich überraschen. So wie letztes Mal. Und das Mal davor. Und davor...

Und wenn es doch nicht passiert? Vielleicht passierts nicht. Der Dienstag ist da und noch ist nichts passiert. Nur weil es bisher verlässlich war, kann sich die Natur auch mal einen Tag Zeit lassen. Oder zwei. Oder eine komplette Ausnahme machen.



Es ist nicht rot. Es ist aber auch noch früh am Tag. Warum mache ich mich so fertig? Ich kenne niemanden, der besser dran ist, als ich. Das Thema stresst mich. Es macht mich fertig. Es frisst mich von innen auf. Aber objektiv betrachtet, habe ich keinen Grund mich zu beschweren und auch keinen Adressaten. Schließlich habe ich schon ein Kind. Und ich sollte mit dem glücklich sein, was ich habe. Ich bin auf dem Höhepunkt meines Lebens. Mann, Haus, Kind, Job, Gesundheit, Jugend. Alles passt. Es kann nur schlechter werden. Ich bin glücklich. Und ich genieße mein Glück, so oft es geht. Das sind nur diese drei Tage je Zyklus und die stetig steigende Anteil der sorgenvollen Gedanken zwischen Tag X und den vierzehn Tagen danach.


Mein Kopf sagt mir, ich bin bescheuert. Und dass ich jede Sekunde bereuen werde, die ich in Sorgen investiert habe, die so unnötig sind. Und jede Veranstaltung bereue, zu der ich nicht zugesagt habe, weil die Wahrscheinlichkeit so groß ist, dass es bis dahin geklappt hat. Fünfzehn Monate! Ich habe schon fünfzehn Monate vergeudet, weil ich darauf warte, dass was passiert. Ich warte nur und lasse mein restliches Leben stagnieren. Bei jedem Plan habe ich im Hinterkopf, dass es durchaus möglich ist, dass ich da nicht reisen kann. Oder kein Alkohol trinken darf. Oder dass ich in bestimmte Klamotten nicht reinpassen werde. Oder dass das Zimmer sowieso umgebaut werden muss. Oder dass ich das Geld nicht einfach für die Fortbildung rausschmeißen kann, weil es jederzeit für die Erstausstattung benötigt wird. Oder dass es sein kann, dass ich das Projekt, dass ich annehme, nicht zu Ende führen kann, weil ich demnächst eine kurze Auszeit nehmen werde. Werde ich das? Eine Auszeit benötigen? Und wenn nicht? Wie lange soll das jetzt so gehen?


Es gibt diese äußere Wahrheit, dass was man von außen von meinem Glück wahrnimmt. Es gibt diese innere Wahrheit. Mein Glück. Und ich bin glücklich! Aber was ist das, was da nagt? Ist das Sehnsucht? Die Sucht danach, sich nach etwas sehnen zu müssen? Die Sucht danach, nicht einfach mal glücklich sein zu können? Ich will glücklich sein. Und meistens klappt das auch. Wie mit der Gesundheit. Wenn ich gesund sein will, bleibe ich auch gesund. Die Grippewellen rauschen an mir vorbei, weil ich sie nicht an mich ran lasse. Das klappt auch so lange, bis ich halt doch mal krank werde. Genauso ist es mit dem Glück. Mit dem Unterschied, dass ich weiß, wann es bei mir krankt. An Tag Vierzehn. Und der ist Dienstag. Heute.

 

 

13.03.2015

28.11.15 08:00
 
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